Ein Familiengeheimnis

Meine lieben, herzigen Lieblinge Lucie und Erich!!
Hocherfreut hatte mich Euer süsser Glückwunsch in Form von einer schönen Bonboniere u. wohlschmeckenden Inhalts. Auch für das liebevolle Briefchen sage ich Euch (endlich) hierdurch vielen herzlichsten Dank! Ich habe mich über Beides riesig gefreut u. habe die prächtigen Süßigkeiten mit bestem Appetit u. bei Wohlbefinden baldigst u. ganz allein verspeist. Aber die Pralinen u. auch die Blumen haben fein geschmeckt!…

Als Anna Lorenz am 5. Mai 1930 diesen Brief an ihre beiden Kinder schreibt, lebt sie bereits elf Jahre lang in psychiatrischen Einrichtungen in Sachsen. Vermutlich leidet sie an Schizophrenie, eine psychische Erkrankung, für die es damals noch keine Therapie gibt.
Trotz der langen Krankheit und dem schwierigen Leben in den Anstalten verfasst sie bis zu ihrem Lebensende bemerkenswert einfühlsame, liebevolle Briefe an ihre Kinder Lucie und Erich.

Jahrzehnte später, im Jahr 2007, übergibt Erich diese Briefe zusammen mit anderen Papieren an mich, die Journalistin Daniela Martin. Ich bin Erichs Großnichte und Annas Urenkelin. Erstaunt und begeistert beginne ich, das Schicksal meiner Urgroßmutter zu erforschen. Nach und nach erschließen sich mir die wichtigsten Stationen in Annas Leben.
Am Ende entsteht das Buch „… die Blumen haben fein geschmeckt“ (2010), aus dem ich in ganz Deutschland immer wieder lese.

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